2017 - Wolf Erlbruch

 

Wolf Erlbruch

Empfänger des Astrid-Lindgren-Gedächtnispreises für Literatur 2017

Wolf Erlbruch erschließt Lesern aller Altersgruppen die großen Themen des Lebens und macht sie fassbar. Zutiefst verwurzelt in einer humanistischen Grundhaltung zeigt sein Werk mit Humor und Wärme das Kleine im Großen auf. Er ist ein Meister der Zeichenkunst und fußt auf einer langen Tradition, öffnet aber zugleich neue kreative Fenster. Wolf Erlbruch ist ein umsichtiger Visionär.

Begründung der Jury


Wolf Erlbruch, geboren 1948, ist ein deutscher Bilderbuchautor und Illustrator. Er ist vor allem für die Illustrationen seines weltweit erfolgreichen Titels Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat bekannt. Neben der Herausgabe Dutzender eigener Werke hat Wolf Erlbruch nahezu 50 Titel mit Texten anderer Autoren bebildert.
Nach einem Grafikdesignstudium arbeitete er vor allem als Illustrator für Zeitschriften wie Stern und Esquire, bevor er eine Lehrtätigkeit aufnahm. Bis 2009 arbeitete er als Professor für Illustrationskunst und Bildende Kunst u.a. an der Universität Wuppertal, sein Wohnort.

Mit der Bildgestaltung für Der Adler, der nicht fliegen wollte von James Aggrey gab er 1985 sein Debüt. Seinen Durchbruch erzielte er fünf Jahre später mit Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat zu einem Text von Werner Holzwarth über den kleinen Maulwurf der sich darüber ärgert, dass jemand ihm auf den Kopf gemacht hat und macht sich auf die Suche nach dem Schuldigen zu finden.

Wolf Erlbruch begibt sich häufig auf existenzielle Spurensuche. Mit Humor und Scharfsinn werden wichtige Fragen zur Bedeutung von Leben und Tod gestellt. Ente, Tod und Tulpe (2007) erzählt auf einfühlsame Weise die Geschichte einer Ente, die dem Tod begegnet. Dieses Buch wird als moderner Klassiker gefeiert und häufig beschrieben als das schönste Buch über den Tod, das jemals veröffentlicht wurde. Mit seinem einfachen und authentischen Inhalt – der von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen geschätzt wird – gilt dieses Buch als Meditation über das Leben, die Gegenwart des Todes und dessen Unausweichlichkeit. Zu einem seiner umstrittensten Werke, die

 Erlbruch für einen Text von Valérie Dayre gestaltet hat, zählt L'ogresse en pleurs (1996). Diese offensichtlich böse Geschichte erzählt von einer Frau, die ein Kind fressen will. Der Text verhandelt dabei schwierige und wichtige Fragen in der Beziehung zwischen Kindern und Eltern. Dabei geht es um Symbiose und Freiheit, Liebe und Verlustangst.

Wolf Erlbruch gilt als Innovator der Illustrationskunst. Sein bildnerisches Schaffen fußt auf einer langen Tradition und ist von einer akzentuierten Linienführung sowie grafischen Genauigkeit geprägt. Dabei verbindet er häufig verschiedene Techniken miteinander: Collage, Bleistift- und Kreidezeichnung, grafische Experimente und Aquarellmalerei. Tiere, vor allem Bären, zählen zu den bevorzugten Charakteren und Handlungsträgern seiner Geschichten, beispielsweise in Das Bärenwunder (1996) und Der Bär, der nicht da war (2014). 

Wolf Erlbruch wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Hans Christian Andersen-Preis für sein Gesamtwerk. 

Der Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis für Literatur wird von ihrer königlichen Hoheit Kronprinzessin Victoria im Rahmen einer Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus am 29. Mai 2017 überreicht.

 

Quelle: alma.se